Wissenswerte Grundlagen

Akupunktur der Punkte Bl1 und Bl10 zur Behandlung von Rückenproblemen

Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist eine der ältesten und wichtigsten Behandlungsmethoden der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM).

Der Begriff Akupunktur leitet sich von den lateinischen Begriffen acus= Nadel und pungere= Stechen ab.
Es handelt sich um eine Technik, bei der dünne Nadeln an bestimmten Punkten, den Akupunkturpunkten, duch die Haut gestochen werden, um Krankheiten zu verhindern oder zu behandeln.
Die Akupunktur reizt diese klar definierten Punkte, um über Nervenbahnen gezielt bestimmte Erfolgsorgane funktionell anzuregen oder zu sedieren.
Mit Hilfe der Akupunktur kann Einfluss auf das Nerven-, Hormon-, Gefäß- und Immunsystem genommen und damit Körperfunktionen, insbesondere gestörte Funktionskreise reguliert werden.
Ziel der Akupunktur ist es, den freien Fluss der Lebensenergie Qi in den Leitbahnen des Körpers, den Meridianen, zu gewährleisten.
Der freie Qi-Fluss ist essentiell für die Harmonie zwischen Körper, Seele und Umwelt.
Störungen des Qi-Flusses verursachen Qi-Leere, -Überschuß oder
-Stauungen.
Durch die Akupunktur wird der Körper zur Selbstregulation und Selbstheilung angeregt. Seine Widerstandskraft wird erhöht.
Häufig wird die Akupunktur ergänzend zu anderen Heilmethoden angewandt.
Sowohl integrative Ansätze, also die Kombination von Akupunktur und Schulmedizin, als auch die Kombination mit der Chiropraktik haben sich sehr bewährt und bieten dem Patienten viele Vorteile.

Was sind Akupunkturpunkte?

In der TCM werden Akupunkturpunkte als SHU XUE bezeichnet. SHU bedeutet Durchgang oder Kommunikation und XUE steht für Loch oder Ausgang.
Also ist ein Akupunkturpunkt ein Loch in der Haut, das über einen Meridian (Jing) oder ein Netzgefäß (Luo) mit einem oder mehreren inneren Organen kommuniziert.

Die meisten Akupunkturpunkte liegen auf bestimmten Bahnen, den Meridianen, die wiederum den einzelnen Organen des Körpers zugeordnet werden.
Die genaue Lokalisation der Akupunkturpunkte geht auf eine jahrtausendelange empirische Studie der Traditionellen Chinesischen Medizin zurück.

Ist ein Organ pathophysiologisch verändert, so können ein oder mehrere zugeordnete Akupunkturpunkte druckempfindlich sein oder Abweichungen von ihrer normalen Struktur aufweisen.
Über eine Behandlung dieser Punkte kann das innere Organ über den Meridian erreicht werden.

In der westlichen Medizin gibt es ein ähnliches Konzept, das sich mit viszerosomatischen und somatoviszeralen Reflexen sowie den Triggerpunktreaktionen beschäftigt.

Am Akupunkturpunkt selbst haben die Forscher eine hohe Dichte an Nervenfasern, Nervenendigungen oder Gefäßen gefunden. Die freien Nervenendigungen vereinigen sich unter den Akupunkturpunkten häufig zu Gefäß-Nervenbündeln und durchdringen umschlossen von einer bindegewebigen Hülle die Faszie der Haut oder der Muskulatur.

Was sind Meridiane?

Meridiane sind Kanäle oder Gefäße, in denen die Lebensenergie Qi den Körper durchströmt.

Es gibt 12 Hauptmeridiane, die Qi jing mai, denen jeweils ein Organ oder Organsystem zugeordnet ist. Sie sind paarig (linke und rechte Körperhälfte) angelegt und kreuzen die Mittellinie nicht. Sie werden unterteilt in Yin- und Yang- Meridiane, wobei jedem Yin- ein Yang- Meridian zugeordnet ist.
Auf ihnen liegen die Akupunkturpunkte.

Qi durchfließt in einem circardianen Rhytmus diese Meridiane, so dass jeer Meridian zu einer bestimmten Uhrzeit sein Maximum für 2 Stunden täglich erreicht.

Neben den 12 Hauptmeridianen gibt es noch die 8 außerordentlichen Gefäße, die Jing jin.
Außer dem Lenkergefäß, dem Du mai, und dem Konzeptionsgefäß, dem Ren mai, die entlang der Rücken- bzw. Bauchmitte verlaufen, haben die außerordentlichen Meridiane keine eigenen Akupunkturpunkte aufzuweisen.
Sie sind unpaarig und kreuzen die Körpermitte.
In ihnen wird die Essenz = Jing transportiert und die Lebensenergie Qi bewahrt.
Sie verbinden die 12 Hauptmeridiane miteinander und können so den Qi-Fluss regulieren.
Des Weiteren regulieren sie den Lebenszyklus bzw. den Wechsel zwischen den Lebensphasen eines Organismus.

An dieser Stelle sollen die 15 Verbindungs- bzw. Transversalgefäße, die Luo mai, die die Hauptmeridiane mit ihren jeweiligen Partnergefäßen verbinden, nur kurz erwähnt werden.

Gleiches gilt für die 12 Longitudinal- Gefäße, die den Hauptmeridian mit seinem jeweiligen Organ verbinde, und für die 12 Sondermeridiane
(divergierende Meridiane), die gerne bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen zur Therapie genutzt werden.

Interessant, insbesondere für die Therapie von Lahmheiten, sind die 12 Leitbahnsehnen, die parallel zu den Hauptmeridianen an den Gliedmaßen verlaufen, aber keine Verbindung zu den Organen haben. Sie versorgen die Muskeln, Sehnen und Gelenke mit Qi und Blut.

Bei der Meridiantherapie mittels Akupunktur, Moxibustion, Akupressur, Shiatsu, Schröpfen oder Meridianmassage wir der Qi-Fluss positiv beeinflusst und harmonisiert.

Was bewirkt die Akupunktur (-nadel)?

In der Regel wird mit der Akupunkturnadel nicht nur die äußere Haut durchstochen, sondern auch tiefer liegende Strukturen wie Subcutis, Faszie oder Muskulatur erreicht.
Werden diese Strukturen stimuliert, kann eine besondere Empfindung, das De Qi-Gefühl, hervorgerufen werden.
Dieses muss nicht immer angenehm sein.
Menschen haben es als Schwere-, Taubheits- oder Wärmegefühl beschrieben, das sich oft entlang des entsprechenden Meridians ausbreitet.
Tiere reagieren mit Haut- oder Muskelzucken, Abwehrverhalten oder Lautäußerungen.

Das Erreichen der vitalen Energie Qi ist wichtig für die therapeutische Wirkung der Akupunktur, nur so können Disharmonien im Energiefluss
gelöst werden.

Wissenschaftlich betrachtet hat der Nadeleinstich eine Vielzahl von physiologischen und biochemischen Reaktionen zur Folge.
Über Reizung von Schmerzrezeptoren, Ausschüttung von Neurotransmittern, Reizweiterleitung über das Rückenmark bis ins Gehirn bis hin zur Beeinflussung von Mechanismen.
Z.B. bewirkt eine Stimulierung des Akupunkturpunktes LG26 eine Erhöhung des Blutdrucks durch Erhöhung des Herzminutenvolumens, was eine sympathomimetische Wirkung ist. Dieser Punkt wird als Wiederbelebungspunkt gesehen und kann Leben retten.
Ma36 dagegen gilt als parasympathomimetischer Punkt. Seine Stimulation hat eine Senkung des Herzminutenvolumens zur Folge. Außerdem ist er für seine starke Wirkung auf den Gastrointestinaltrakt bekannt. Untersuchungen haben ergeben, dass sich die somatoviszeralen Nervenleitbahnen dieses Punktes mit den Leitbahnen des Magens im Hinterhorn des Rückenmarks überlappen.

Bei einigen Tieren kann man beobachten, dass sich die Haare nach dem Einstechen der Nadel entlang des behandelten Meridians aufstellen.

Des Weiteren verursacht jede Nadel ein Mikrotrauma mit lokalen Entzündungsprozessen.
Diese Entzündungsprozesse beinhalten Vasodilatation (Gefäßweitstellung), Eregung der o.g. Schmerzrezeptoren, Chemotaxis (Entzündungsmediatoren gelangen ins Gewebe) und Permeabilitätsstörung.
Anschließend kommt es zur Gewebereparatur und zur Beendigung der Entzündungsreaktion.

Diese beschriebenen Reaktionen auf den Nadelstich sind gewollt und als positiv zu bewerten. Der Körper reagiert noch lange Zeit nach Entfernen der Akupunkturnadel auf den von ihr verursachten Reiz.
Akupunktur hat also nicht nur einen kurzfristigen Effekt, sondern auch eine nachhaltige Wirkung.